Montag, 04 November 2013 18:41

Bedeutung der Nächstenliebe

Fotolia 57109697 Subscription XL KNächstenliebe ist der Inbegriff des Christseins und eine Lebenshaltung, die den Anderen mit seinen Bedürfnissen und Sorgen im Blick hat, die sich schützend und helfend anderen Menschen nähert, Zeit, Kraft und Geld investiert und zu den verschiedensten Opfern bereit ist. Wir fühlen uns geborgen und verstanden, wenn wir in einer Familie, Gemeinde, Nachbarschaft oder einem Arbeitskollektiv leben, wo die Nächstenliebe gelebter Alltag ist.

 

Doch oft ist es ganz anders. Wir leben in einer Zeit der Extreme. Einerseits wird ein Mangel an praktizierter Nächstenliebe beklagt. Andererseits gibt es immer wieder Menschen, die aus falsch verstandener Nächstenliebe sich und anderen schaden. Wir haben in der Seelsorge zunehmend mit Menschen zu tun, die das Gebot der Nächstenliebe missverstanden haben und andere wiederum, die es geschickt für ihre Zwecke interpretieren.

Die Grundregeln der Nächstenliebe

„Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“ Sprüche 3,27

Dieser wunderbare Aufruf heißt für manche liebe Menschen: „Weigere dich nicht! Gib alles! Du musst immer und überall helfen! Du musst alle Probleme deiner Mitmenschen lösen! Denke nicht daran, wie es dir geht! Du hast noch nicht genug getan!“ Kurzum: „Nein-Sagen verboten!“. Wir haben mit Menschen zu tun, die sich aus falsch verstandener Nächstenliebe völlig aufopfern, obwohl sie manchmal weder Kraft, noch Geld oder Möglichkeiten dazu haben. Sie spüren einen christlichen Auftrag und eine Verpflichtung, die ihnen jegliches Nein-Sagen als Egoismus auslegt. Worin liegen die Missverständnisse begründet? Wenn Nächstenliebe eine positive Tugend und ein biblisches Gebot ist, muss der Fehler in unserer Auslegung liegen.

1.Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“

In Jakobus 2,8 lesen wir: „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift:

»Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr wohl.“ Wir vergessen manchmal den Aspekt „wie dich selbst“ (3. Mose 19,18).

An uns selbst denken? Ist das nicht gleichbedeutend mit mangelnder Demut und Egoismus? Viele von uns sind so erzogen worden, dass ihnen jeglicher Blick auf die eigene Person bestenfalls den eigenen Mangel und die eigene Schuld zeigen solle. Sich selbst zu lieben und anzunehmen, fällt vielen schwer. Im Umgang mit anderen Menschen, besonders im missionarischen Bemühen, sehen wir in jedem Menschen ein Gottesgeschöpft, das von Gott so sehr geliebt wurde, dass er seinen Sohn dafür zum Opfer gab. Einer davon bin ich selbst! So wie ich anderen liebevoll begegne, darf ich mir selbst begegnen. Es ist nicht unwichtig, wie es mir geht, ob ich mich um meine Gesundheit und Bedürfnisse kümmere. Ich darf auch an mich denken! Für manche Christen, ist das Wörtchen „auch“ wie eine neue Offenbarung, an sich denken zu dürfen. Für andere möge es verdeutlichen, dass „auch“ das Vorhandensein eines anderen Bereiches einschließt, in diesem Fall den Nächsten. Hier kann sich jeder selbst prüfen, ob er im ausgewogenen Verhältnis beide, den Nächsten und sich selbst, im Blick hat.

2. „dem Bedürftigen“

Ein Bedürftiger bedarf etwas; er hat ein Bedürfnis oder viele in bestimmten Bereichen. Vielfältig Bedürftige begegnen uns, wobei der finanzielle Mangel der verschiedensten Ursachen meist zuerst beobachtet wird. Fotolia 52532461 Subscription XXL KAber auch gesundheitliche Probleme, Stress, Beziehungsschwierigkeiten, Lebenskrisen und sonstige seelische Nöte machen aus einem Menschen jemanden, der etwas bedarf = einen Bedürftigen. Im geistlichen Verständnis sind wir grundsätzlich alle bedürftig: Wir sind erlösungsbedürftig durch Jesus Christus und bedürfen die geistliche Erkenntnis Gottes. (siehe Offenbarung 3,17.18.) Im rechtlichen Sinne ist der Begriff Bedürftigkeit im Sozial- und Familienrecht verankert und wird als Hilfebedürftigkeit definiert. Bedürftigkeit liegt vor, wenn jemand nicht oder nicht genügend in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt selbst aus eigenen Kräften und Mitteln, vor allem durch den Einsatz von Einkommen und Vermögen, oder durch die Hilfe von Familienangehörigen oder Ehepartnern zu bestreiten. Dabei geht es jeweils um das sogenannte Existenzminimum, das ein menschenwürdiges Leben ermöglichen soll.
Wir sehen an diesen Definitionen wie schwierig es sein kann, eine Person als bedürftig und wenn ja, in welchem Bereich als hilfsbedürftig zu erkennen. Grundsätzlich sind alle Menschen in der Weise bedürftig, dass ihnen die Liebe Gottes, das Evangelium, nahegebracht wird. Darüber hinaus sollten wir erkennen, wenn jemand Not leidet und seine lebensnotwendigen Grundbedürfnisse nicht mehr sichern kann. Hier finden wir weltweit sehr unterschiedliche Situationen vor. Während in armen Ländern Kinder Müllberge nach Essbarem durchsuchen, sind z.B. in Westeuropa die staatlichen Hilfen so gestaltet, dass niemand ohne Obdach, Nahrung und Kleidung leben muss. Arbeitssuchende werden von den Jobcentern betreut, während Erwerbsunfähige beim Sozialamt Hilfe erfahren. Es ist sicher nicht immer leicht, sich radikal einzuschränken und mit den einfachsten Dingen zufrieden zu sein. Dennoch können wir für staatliche und karikative Hilfen nur dankbar sein. Darüber hinaus dürfen jene, die mehr haben als sie wirklich benötigen, ihre Herzen und Hände öffnen, um mit anderen zu teilen!

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, Lukas 10,30-37, zeigt uns, wie wir helfen dürfen:

1. Hilfsbedürftigkeit erkennen. Der Verunglückte war in akuter Not.
2. sich dem Hilfsbedürftigen zuwenden, die akute Not lindern
3. die notwendige Hilfe nicht auf andere übertragen, die weder wollen noch können
4. den Notleidenden nach Erstversorgung nicht sich selbst überlassen
5. zur weiteren Versorgung andere Helfer hinzuziehen
6. sich für die Entwicklung des Bedürftigen weiter interessieren
7. hilfsbereit bleiben

„Hier wollte Jesus seinen Jüngern zeigen, welche moralische Verpflichtung Menschen an ihre Mitmenschen bindet. Wer immer es versäumt, die Grundsätze dieser Lektion auszuführen, hält die Gebote nicht. Gleich dem Leviten bricht er Gottes Gesetz, das er zu ehren vorgibt. Es gibt Menschen wie den Samariter, die nicht vorgeben, fromm zu sein, die aber ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Mitmenschen haben und weit mehr Nächstenliebe und Freundlichkeit besitzen als einige, die große Liebe zu Gott bekennen, aber seinen Geschöpfen nichts Gutes erweisen.“ (Zeugnisse Band 4, S. 66)

3. „wenn deine Hand es vermag“

Es war schon zu biblischen Zeiten so: Wer am wenigsten hat, gibt am meisten. (siehe Markus 12,44) Wer auf einem hohen luxuriösen Niveau lebt, kann sich schwerer vorstellen, abzugeben, etwas zu teilen und den Segen des Verzichts zu empfangen. Sicher kennen wir die Bilder von Obdachlosen, die all ihren Besitz in einem Einkaufswagen vor sich herschieben. Fragt man sie: „Wie viele Dinge besitzt du?“, können sie sicher ohne lange zu überlegen antworten. Wie ist das bei uns? Wie viele Dinge besitzt du? Wie viele Tage lang müsstest du Listen führen, um wirklich jedes einzelne Stück nachzuzählen? Vor 150 Jahren besaß man ca. 900 Gegenstände. Das klingt viel, doch heute sind es durchschnittlich 40 000 einzelne Dinge, die wir in unseren Wohnungen lagern, hegen und pflegen müssen. Wer einen längeren Campingurlaub gemacht hat, weiß, dass es auch mit weniger geht. Als Faustregel gilt: Was man ca. ein Jahr nicht benutzt hat, braucht man nicht. Unter diesem Gesichtspunkt auf- und auszuräumen, ist eine lohnende Sache – für sich selbst und jene, denen wir mit unserem Zuviel eine große Freude machen können!
„Niemand braucht zu fürchten, dass seine Freigebigkeit ihn in Not bringen würde. Gehorsam gegen Gottes Gebote wird gewisslich Gedeihen zur Folge haben.

"Denn um solches willen", sagt Gott, "wird dich der Herr, dein Gott, segnen in allen deinen Werken, und was du vornimmst." "So wirst du vielen Völkern leihen, und du wirst von niemand borgen; du wirst über viele Völker herrschen, und über dich wird niemand herrschen."  (5.Mose 15,10.6. )Ursachen und Wirkungen, Fußspuren-Heft 2, S. 22.23)

„Sehen wir uns einmal das Leben vieler an, die behaupten Christen zu sein. Der Herr hat sie mit Fähigkeiten, mit Kraft und Einfluss ausgerüstet und ihnen Geld anvertraut, damit sie seine Mitarbeiter im großen Erlösungsplan sein möchten. Alle Gaben Gottes sollten zum Heil der Menschheit, zur Hilfe der Leidenden und Bedürftigen benutzt werden. Die Hungrigen müssen gespeist, die Nackten bekleidet, die Witwen und Waisen versorgt und den Betrübten und Bedrückten geholfen und gedient werden. Es war nie Gottes Wille, dass in der Welt ein so verbreitetes Elend sein sollte. Er wollte nicht, dass ein Mensch alle möglichen Luxusgegenstände im Überfluss haben sollte, während die Kinder eines anderen nach Brot schreien. Alle Mittel, die nicht für den Lebensunterhalt benötigt sind, sind den Menschen anvertraut, um damit Gutes zu tun und dadurch anderen zum Segen zu gereichen. Der Herr sagt: "Verkaufet, was ihr habt, und gebt Almosen." Seid bereit, Gutes zu tun, reich zu werden an guten Werken, gern zu geben und behilflich zu sein.“ (Christi Gleichnisse, S. 367)

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die viel mehr geben, als sie eigentlich zur Verfügung haben. Sie gehen über die Grenzen ihrer Kraft und Zeit und nicht selten auch ihrer finanziellen Möglichkeiten. Ihre Hand vermag es nicht, noch weiter zu geben und zu helfen, aber dennoch fühlen sie sich verpflichtet, teils aus Gutmütigkeit, teils aus dem Verkennen des eigentlichen Zustandes der Person, die Hilfe erbittet oder sogar massiv einfordert.
Hilfe zur Selbsthilfe“, das Motto für die Arbeit in den Entwicklungsländern, darf auch das Motto im Umgang mit Bedürftigen in unserem Umfeld sein. Andere im Zustand der Abhängigkeit bewusst zu halten oder ihnen eigenes Bemühen als unnötig darzustellen, da man ja alles für sie regelt, ist keine Nächstenliebe!

4. „Helft den Menschen, sich selbst zu helfen.

Wir können den Armen oft am erfolgreichsten helfen, wenn wir sie in praktischer Weise belehren. In der Regel besitzen diejenigen, die nicht zur Arbeit erzogen wurden, keinen Fleiß, keine Ausdauer, Sparsamkeit und Selbstverleugnung. Sie wissen nicht, wie sie haushalten sollen. Oft wird durch Mangel an Sorgfalt und richtigem Urteil das verschwendet, was ihre Familien in Wohlstand und Behaglichkeit erhalten könnte, wenn es sorgfältig und sparsam angewendet würde. …
Wir mögen den Armen geben und ihnen damit schaden, indem wir sie dadurch belehren, abhängig zu sein. Solches Geben stärkt nur die Selbstsucht und Hilflosigkeit; oft führt es zur Trägheit, Verschwendungssucht und Unmäßigkeit. Niemand, der seinen eigenen Unterhalt erwerben kann, hat ein Recht, sich auf andere zu verlassen. Das Sprichwort: "Die Welt schuldet mir einen Unterhalt", birgt den Kern von Unwahrheit, Trug und Raub in sich. Fotolia 51019429 Subscription XXL KDie Welt schuldet niemand einen Unterhalt, der imstande ist, zu arbeiten und sich denselben selbst zu erwerben.
Wahre Mildtätigkeit hilft den Menschen, sich selbst zu helfen. Wenn jemand an unsere Tür kommt und um Speise bittet, sollten wir ihn nicht hungrig wegsenden; seine Armut mag die Folge von Unglücksfällen sein. Aber wahre Mildtätigkeit meint mehr als nur geben. Sie bedeutet ein wahrhaftes Interesse an der Wohlfahrt anderer. Wir sollen suchen, die Bedürfnisse der Armen und Betrübten zu verstehen und ihnen die Hilfe zu bringen, die ihnen am meisten nützt. Nachdenken, Zeit und persönliche Bemühungen kosten weit mehr als einfach Geld zu geben, aber es ist die beste Wohltätigkeit. Jene, die gelehrt werden, zu verdienen was sie empfangen, werden am schnellsten lernen, das meiste daraus zu machen. Indem sie lernen, sich auf sich selbst zu verlassen, erlangen sie das, was nicht nur sie selbst erhält, sondern sie auch in den Stand setzt, anderen zu helfen. Macht die Wichtigkeit der Lebenspflichten denjenigen klar, die ihre Gelegenheiten vorübergehen lassen. Zeigt ihnen, dass die Religion der Bibel die Menschen niemals zu Müßiggängern macht. Christus ermunterte stets zum Fleiß …

Einfachheit, Selbstverleugnung, Sparsamkeit, welche gerade die Armen so notwendig lernen sollten, scheinen denselben oft schwer und unwillkommen. Das Beispiel und der Geist der Welt erregt und nährt stets den Stolz, die Eitelkeit, Selbstbefriedigung, Verschwendung und Trägheit. Diese Übel stürzen Tausende in Armut und hindern Tausende mehr daran, sich aus Verderben und Elend zu erheben. Wahre Christen sollten die Armen ermutigen, diesen Einflüssen zu widerstehen. … Christliche Arbeiter sollten den Leuten da entgegenkommen, wo sie sind und sie erziehen, nicht in Stolz, sondern indem sie ihren Charakter bilden. Lehrt sie, wie Christus arbeitete und sich selbst verleugnete; helft ihnen, von ihm Selbstverleugnung und Opfer zu lernen. Lehrt sie, sich vor der Selbstbefriedigung zu hüten, indem sie sich der Mode anpassen. Das Leben ist zu wertvoll und hat zu viel ernste, feierliche Verantwortlichkeiten, um vergeudet zu werden, indem man dem eigenen Ich dient.“ (Ursachen und Wirkungen, Fußspuren-Heft 2, S. 22.23.24)

Wer nicht für seine Person die Verantwortung übernehmen kann, z. B. pflegebedürftig ist und/oder nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, den betreue nach deinen Möglichkeiten. Besonders unsere Verwandten und Gemeindeglieder sind uns hier anvertraut. Es versteht sich von selbst, dass hier das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ nicht angewandt werden kann.

Wenn deine Rechnung nicht aufgeht

Hilfe für das Hier und Heute mit der Evangeliumsverkündigung zu verbinden ist ein wunderbares christliches Anliegen. Jesus wies seine Jünger an, zu heilen und zu verkündigen. (siehe Lukas 10,9) Wir erhoffen, dass sich die Menschen für das göttliche Wirken an ihrem Herzen öffnen und sich letztlich auch ihre gesamte Lebenssituation zum Guten verändert. Und wenn nicht? Was ist mit den Menschen, die teils über Jahre all unsere Hilfe einfordern, uns über Gebühr strapazieren und sich keinen Millimeter auf Christus zu bewegen oder an einer Verbesserung ihrer Lebenssituation arbeiten? Wir wollen diese Menschen retten. Können wir das überhaupt?
Wer an so einem Punkt in seinem Bemühen um andere Menschen angekommen ist, darf sich fragen, ob nicht er selbst es ist, der sich ändern müsste. Sicher dürfen wir niemanden in akuten Notsituationen sich selbst überlassen. Doch in unserem Land muss sich niemand über einen längeren Zeitraum in einer lebensbedrohlichen Notlage befinden. In der Vorbereitung dieses Artikels habe ich mit der Mitarbeiterin eines Sozialamtes gesprochen und mir diesen Sachverhalt bestätigen lassen. Hilfsforderungen in der Art „Ohne dich muss ich unter der Brücke schlafen.“ oder „Ohne dich muss ich verhungern.“ entbehren einer sachlichen Grundlage.
Es kann schon sehr wertvoll sein, wenn wir Hilfesuchende unterstützen, die staatlichen Hilfsmöglichkeiten zu beantragen. Nicht selten liegen auch Nöte vor, bei denen wir die Personen in kompetente Hände geben sollten, z.B. Schuldnerberatung oder Alkoholikerbetreuung. Ermutigung, Wegweisung und Begleitung ist in solchen Fällen wichtiger, als alle Schwierigkeiten dem Bedürftigen aus dem Weg räumen zu wollen.

Wenn ein Helfer selbst Hilfe braucht

Wer in seiner Helferrolle derart aufgeht, dass er selbst in Nöte gerät, krank wird, Schulden macht, nur noch Gast in seiner Wohnung ist und über sein eigenes Leben kaum noch verfügen kann, sollte sich fachkundig beraten lassen, wie ihm geholfen werden könnte. Es ist abzuklären, ob eventuell ein Helfersyndrom vorliegt.
Die Merkmale eines Helfersyndroms sind:
Betroffene fühlen sich dadurch wertvoll, dass sie anderen helfen. Manchmal berücksichtigen sie die Anliegen des Anderen nicht, sondern drängen ihre Hilfe sogar auf oder lehnen weitere Helfer ab. Dabei werden die eigenen körperlichen Grenzen übersehen und eigene Bedürfnisse und Wünsche vernachlässigt. Diese Helfer erwarten von ihren Schützlingen Dankbarkeit und Anerkennung. Fotolia 47287427 Subscription XL KWer viel mehr gibt als er hat oder empfängt, wer die Bedürfnisse des Anderen genau kennt, jedoch seine eigenen nicht mehr, wer erschöpft, ausgelaugt und depressiv ist, Unterstützung ablehnt, vielleicht sogar Medikamente oder Suchtmittel nimmt, um dem Druck standzuhalten, der braucht dringend selbst Hilfe! Die Folgen des Helfersyndroms können Burnout, Depressionen und psychosomatische Erkrankungen sein. Besonders häufig findet man das Helfersyndrom in der Altenpflege bzw. in helfenden und heilenden Berufen sowie aus missverstandener christlich-motivierter Nächstenliebe.

Den Blick auf folgende Sachverhalte zu lenken ist wichtig: - Einander zu helfen ist richtig und wichtig.

  • Doch keiner kann und muss alles an Hilfe allein leisten.
  • Ein Helfer, der Bedürftige in die dauerhafte Passivität drängt, hat das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe nicht verstanden.
  • Erschöpfte Helfer können nicht mehr helfen.
  • Jesus ist der eigentliche Helfer! Ich darf sein Werkzeug sein. Neben oder nach mir hat Jesus immer noch zahlreiche Möglichkeiten zur Hilfe. Jesus weiß, was in mir vorgeht. Wenn meine Kraft erschöpft ist, bin ich derjenige, der seine Hilfe beanspruchen darf. Ich bin weder schuldig noch geht ein Mensch durch meine Schuld verloren, wenn meine Kraft- Zeit- und materiellen Reserven aufgebraucht sind.

Ich kenne Menschen, die sich wie Mörder fühlten, wenn sie es nicht schafften, dass sich der Andere zu Gott bekehrte. Das kann eine enorme Last bedeuten.
Lege dein Helfenwollen und Helfenkönnen in Gottes Hände! Lass Dir zeigen, welche Art von Hilfe dein Nächster braucht. Lerne zu unterscheiden, wann du für andere handeln solltest und wann deine passive Anteilnahme dem anderen durch die Mobilisation seiner eigenen Anstrengungen mehr Hilfe bedeutet als Geld, Obdach oder sonstiges. Wir wissen oft nicht, was Gott genau mit dem Menschen vorhat und durch welche Wege er ihn zur Umkehr führen möchte.
Stelle dich dem Wirken Gottes nicht in den Weg, indem du zu viel und all das für jemanden tust, dass er längst selbst tun könnte. Was du immer tun solltest: Bete für deinen Nächsten und befehle ihm dem Schutz und der Führung Gottes an! Bleibe bereit, dich ihm zuzuwenden, zu raten, zu begleiten und vor allem das Wort Gottes weiterzugeben.
Wenn du alles getan hast, darfst du diesen Menschen getrost in Gottes Hände legen. Du kannst im Moment nichts weiter tun; deiner Verantwortung und Pflicht bist du nachgekommen. Jetzt kann nur noch Gott helfen. Erkenne deine Machtlosigkeit an, dass du für andere nicht alles regeln und entscheiden kannst, weder irdische noch himmlische Belange betreffend, sondern dass der Mensch für sich selbst die Verantwortung trägt, sofern er dazu in der Lage ist. „Wenn du einst vor dem Weltenrichter stehst, musst du dich nicht für andere verantworten, sondern für dich selbst.“(Zeugnisse Band 4, S. 390)
Fotolia 60756259 Subscription XXL     MIX RR     K„Jeder muss für sich selbst vor Gott Rechenschaft ablegen. Sein Gesetz gab er uns als einen Spiegel, in den wir blicken sollen, um die Mängel unseres Charakters zu entdecken. Es ist nicht unsere Aufgabe, in diesem Spiegel die Fehler unseres Nachbarn zu suchen oder aufzupassen, ob er dem Maßstab entspricht, sondern wir sollen unsere eigenen Charakterschwächen erkennen.“ (Zeugnisse Band 3, S. 126)
„In der Zeit der Not ist Jesus unser allgegenwärtiger Helfer. Rufe ihn nur im Glauben an, er hat verheißen, deine Bitten zu hören und zu beantworten.“ (Zeugnisse Band 5, S. 225)

„Darum, so lange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ (Galater 6,10)

 

Amen.

Ines Müller

(veröffentlicht SW 87 Nr. 2)

Verwendete fachliche Quelle: http://www.psychotipps.com/helfersyndrom.html

Wer Begleitung in der Seelsorge wünscht, kann sich an Frau Gabriele Röglin, unter der Telefonnummer 030/434 90 214 wenden.

Gelesen 3715 mal Letzte Änderung Sonntag, 16 März 2014 12:47

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