Dienstag, 30 Juni 2015 00:00

Deutschland wird immer mehr zur "vaterlosen Gesellschaft"

Der Mangel an Männern, die ihre Vaterschaft verantwortlich wahrnehmen, wirkt sich insbesondere negativ auf den männlichen Nachwuchs aus.

Darauf machten Pastoren, Pädagogen und Psychologen im Magazin de’ignis aufmerksam. Es wird von vier Einrichtungen in Baden-Württemberg herausgegeben, die sich auf christliche Grundlage mit Psychiatrie und Psychotherapie befassen, darunter die de’ignis-Fachklinik in Egenhausen (Nordschwarzwald).

 

„Die mehr und mehr vaterlos werdende Gesellschaft ist eine der Ursachen für die verhängnisvolle Zunahme von Menschen mit psychischen Problemen, die unter Ängsten, Orientierungslosigkeit, Depression und Labilität leiden“, schrieb der Pastor und Pädagoge Winfried Hahn. Er leitet das de’ignis-Wohnheim „Haus Tabor“ zur außerklinischen psychiatrischen Betreuung. Nach seinen Worten brauchen Kinder Väter, die Vorbilder sind, Halt und Schutz geben, sowie eine Vorstellung von Männlichkeit in Würde und Anstand vermitteln. Jeder Junge sehne sich nach einem Vater, der ihn an der Hand nehme, ins Leben begleite und ihm den Rücken stärke, auch wenn nicht alles glatt gehe. Hahn: „Nur wenn der Vater präsent, erreichbar, emotional spürbar und erlebbar für das Kind ist, kann der Junge sich mit ihm identifizieren, seine männlichen Identität entwickeln und zum Vater und Mann heranreifen.“

Die Sehnsucht nach Vätern in den Familien, nach Vaterfiguren in Schulen, Vereinen und Kirchengemeinden sei riesengroß. Auch für christliche Gemeinden seien geistliche Väter nötiger denn je. Hahn warnt zugleich davor, die Erziehung mehr und mehr staatlichen Einrichtungen zu überlassen: „Kinderkrippen, Horte, Ganztagsschulen können niemals die Familie ersetzen.“ Die Vergesellschaftung und Institutionalisierung der Erziehung führe zu sozialer Kälte, „in der die Kinder emotional erfrieren.“ Kinder brauchen ein warmes Nest, in dem Vater und Mutter für sie da seien. Laut dem Präsidenten des Europäischen Netzwerkes für Beratung, Psychologie und Therapie, Prof. Rainer Johannes Walleriuns, würden immer mehr Jungen auffällig. Sie stellten zwei Drittel der Sonder- und Förderschüler. Psychische Störungen würden nach den Untersuchungen des Soziologen Walter Hollstein bei Jungen achtmal häufiger festgestellt als bei Mädchen. Die Selbsttötungsrate sei bei Männern durch alle Altersgruppen hindurch dreimal so hoch wie bei Frauen.

Mit freundlicher Genehmigung von (Topic Nachrichtenmagazin, April 2015)

Gelesen 853 mal Letzte Änderung Mittwoch, 12 August 2015 19:15

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